Hinter den Kulissen

Mein guter Freund, Pierre Argo, Maler und Fotograf, hat im Jahr 2001 ein Fotoalbum unter dem Titel “Mauritius aus der Vogelperspektive” veröffentlicht. Um das Album zu realisieren, hat er ca. 1700 analoge Bilder aus einem Hubschrauber und einem Leichtflugzeug mit seiner analogen Nikon gemacht. Leider konnte er nicht viele Bilder von den Inseln, die zu Mauritius gehören, aber weiter entfernt sind (so genannte “Outer Islands”), machen. Im letzten Jahr (2023) hat er sich vorgenommen, ein ähnliches Album zu realisieren, diesmal mit Drohnen, was günstiger und logistisch einfacher ist als mit Hubschrauber und Flugzeug. Die Outer Islands sollen in dem Album wesentlich umfangreicher dargestellt werden.

Als erste Inselgruppe hat Pierre Saint Brandon ausgewählt. Meine Freude war grenzenlos, als mir Pierre eine Mitwirkung bei den Fotoarbeiten angeboten hat. Es war ihm wichtig, neben Luftaufnahmen auch andere Perspektiven anzubieten, wie z.B. Unterwasseraufnahmen. Für diese habe ich die Verantwortung übernommen.

Unsere Expedition dauerte 11 Tage, davon 30 Stunden auf dem Hinweg und 27 Stunden auf dem Rückweg. Wir fuhren auf dem Fischkutter „Fregate“ der Raphaël Fishing Company. Die Nacht verbrachten wir auf der Insel Raphaël, wo sich die Basis der Raphaël Fishing Company befindet. Die Firma stellte uns ein Motorboot mit einem Skipper zur Verfügung, der den gesamten Archipel sehr gut kannte. Der Kapitän, Monsieur Boulon, brachte uns jeden Tag zu anderen Inseln, die nur von Tieren bewohnt sind. Dies waren: Tortue Island, Paul Island, Corail Island, Avocaire Island, Tet Tec Islands, Dagorne Island, Coco Island. Die vorletzte Nacht verbrachten wir auf der Südinsel.

Tag 1

09.04.2024, 10:30 – Der Fischkutter “Fregate” auf dem wir die nächsten 30 Stunden verbringen werden wartet auf uns im Hafen in Port Louis.

In diesen Kisten befindet sich unsere Ausrüstung: Drohnen, Fotoausrüstung, Schnorchel-Ausrüstung, Powerbanks, Solarmodule usw.

Nachdem unsere Ausrüstung geladen und sicher verstaut ist besuchen wir den Kapitän im Cockpit.

Der Fischkutter transportiert Vorräte für die gesamte Besatzung und für die auf Saint Brandon arbeitenden Fischer.

Auf dem Rückweg nach Mauritius werden bis zu 4 Tonnen Fisch in vier Kühlabteilen transportiert.

An Getränken wird es nicht mangeln  😉

14:23 – Das beladen des Kutters ist abgeschlossen, es wurde vollgetankt (Diesel für die Überfahrt und Benzin für Schaluppen und Stromgeneratoren vor Ort) und der schwimmende Grenzschuztposten hat unsere Pässe überprüft. Wir können loslegen und bald bleiben  Port Louis und Mauritius hinter uns.

15 Kilometer von Mauritius entfernt erhebt sich der Pigeon Rock. Im Hintergrund liegt die Round Island, die ein Naturschutzgebiet ist.

Die Navigationsinstrumente im Cockpit der “Fregate” erlauben sichere Fahrt auch bei schwierigeren Wetterbedingungen und in der Nacht.

Eine ungewöhnliche Perspektive von Gunner’s Quoin Island. Im Hintergrund sind die Berge der Moka Range mit dem Gipfel des Peter Both zu sehen.

Zum schlafen gibt es 3 Kajüten für 11 Leute. Bei warmen Wetter bevorzugen es viele auf dem Deck zu schlafen.

17:56 – In Kürze wird die Sonne runtergehen.

21:34 – Die nacht ist so klar und die Lichtverschmutzung so gering, dass es mir gelungen  ist mit meinem iPhone ein Foto von Orion und Sirius aufzunehmen.

Tag 2

10.04.2024 06:18 – Der neue Tag bricht auf. Sonnenaufgang mitten auf dem Ozean.

16:59 – Nach zehneinhalb Stunden Reise ohne nennenswerte Zwischenfälle erreichten wir das südliche Ende des Archipels: South Island. Wir halten nicht an, sondern setzen unsere Reise in Richtung Raphaël Island fort.

Nicht gut für die Umwelt: Schiffe, die auf dem südlichen Korallenriff aufgelaufen sind.

Kurzes Treffen im Cockpit. Der Kapitän sagt uns, welche der Inseln des Archipels seiner Meinung nach unbedingt gesehen werden müssen.

17:21 – Noch haben wir fast zwei Stunden fahrt bis zum Ziel. Nicht alle Reisekammeraden haben die Fahrt gut Überstanden.

Begegnung auf offener See: Zwei Fischer holen uns mit einem Boot ein.

Sie legen an der “Fregatte” an.

Es stellt sich heraus, dass sie gekommen sind, um einen Bootsmotor abzuholen, den wir für sie transportieren.

Genauso schnell wie sie gekommen sind, fahren sie zurück zur South Island.

18:20 – Kurz vor der Ankunft. Ein wunderschöner Sonnenuntergang.

19:27 – Endlich kommen wir an der Raphael Island an. Als erstes wird unsere Ausrüstung auf dem Deck rausgeholt…

…und dann auf eine Schaluppe verladen. Das ist notwendig weil das Wasser rund um die Insel zu flach ist um mit dem Kutter näher kommen zu können.

Das ist unsere einfache Unterkunft…

…sogar mit Badezimmer.

21:12 – Ich war neugierig und ging mit meiner Taschenlampe nach draußen. Überall sah  ich Vögel auf den Bäumen sitzen, die keine Angst vor mir hatten.

Tag 3

11.04.2024 09:26 – Der dritte Tag unserer Reise. Raphael Island aus der Luft gesehen scheint ganz verloren zu sein. Ganz rechts kann man den Fischkutter sehen mit dem wir am Vorabend gekommen sind.

Die Insel aus einer anderen Perspektive gesehen. In der ersten Reihe sieht man die St. Louis Kapelle.

Die Saint Louis Kapelle gesehen von außen…

…und von innen.

Mit solchen Schaluppen fahren die Fischer jeden Tag zu zweit ins  Meer um Fische zu fangen. Auf Saint Brandon ist nur das Angeln erlaubt um den Korallenriff nicht zu  beschädigen.

19:11 – Der Tag endet mit einem köstlichem Abendessen: vinday de poisson.

Tag 4

12.04.2024, 06:50 – Vierter Tag auf dem Archipel. Wir fahren zur Turtle Island die eine gute halbe Stunde Fahrt entfernt ist.

Unsere Ausrüstung wartet darauf, auf das Boot verladen zu werden.

Unser Guide, Mr. Boulon, kommt, um uns beim Beladen zu helfen.

Die Schaluppe wartet auf uns

06:55 – Die Sonne steht schon weit über dem Horizont.

Pierre ist bereit zum einsteigen.

Wir fahren in Richtung Süd-Est.

Mr. Boulon, steuert wie immer im stehen um besseren Überblick auf die Fahrtstrecke zu haben.

Jeden Tag gibt es Seevögel, die uns eine Weile begleiten. Hier ist eine White Tern.

07:39 -Nach ca. 40 Minuten Fahrt, erreichen wir das Nord-Est Ende der Turtle Island.

Mr. Boulon parkt die Schaluppe…

… und hilft uns beim Ausladen unserer Ausrüstung.

Turtle Island – ein scheinbar endloser Strand, der selten Spuren von Menschen zeigt. Überall gibt es Vögel, die sehr neugierig zu sein scheinen.

Pierre versucht sie anzulocken .

Unser Drohnen “Kommandozentrale” befindet sich so weit wie möglich im Schatten, um die Ausrüstung und uns vor der brennenden Sonne zu schützen.

Der Name der Insel kommt von Meeresschildkröten, die hier in der Brutzeit kommen um im dem Sand ihre Eier zu vergraben. Da wir nicht während der Brutzeit waren haben wir nur im Wasser diese Tiere gesehen.

Vögel kannte man im Gegenteil überall sehen. Schätzungen zu folge leben fast 600.000  Vögel auf dem Archipel. Die Mehrheit stellen die sooty tern dar, gefolgt von lesser noddy und brown noddy.

Obwohl die Menschen ehe selten auf diese (und auch die andere) Insel kommen, ist der Abfall omnipresent. Hier sind die besonders große Exemplare zu sehen…

…bojen die irgendwo auf dem Ozean fahrende Schiffe verloren haben. Es gibt auch unzählige andere Plastikgegenstände die angeschwommen kommen: Flip-Flops, Fläschchen, Feuerzeugs, Zahnbürsten, usw. Das werden wir auf Fotos von anderen Inseln sehen.

Die Turtle Island in voller Größe. Sie ist fast 2 km lang. Ich habe das Foto aus 15 einzeln Aufnahmen zusammen gesetzt. Seine Auflösung beträgt 11660 x 12264 Pixels.

Ein Ausschnitt aus dem Großen Foto auf dem unsere Schaluppe und “Kommandozentrale” zu sehen sind.

10:46 – Wir verlassen die Turtle Island und fahren in Richtung Coral Island.

Wir spüren keine große Hitze, weil der Fahrtwind schön frisch bleibt. Die Sonne aber ist  gnadenlos und man muss die Haut so weit wie möglich bedecken.

Unterwegs sehen wir Fischer, die im knie tiefen Wasser angeln.

11:20 – Coral Island ist sehr klein und ist vollständig aus dem Korallenriff entstanden. Die Vegetation ist sehr, sehr karg.

Mit unseren Drohnen machen von hier aus viele Luftaufnahmen vom Archipel.

18:00 – Zurück auf Der Raphael Island begrüßen uns die Vögel.

Tag 5

13.04.2024 07:00 – Am nächsten Tag geht die Reise in Richtung Paul Island. Diese Insel ist ziemlich groß und von unterschiedlichen Arten von Seevögeln bewohnt.

Wie immer fahren wir um 7 Uhr mit Mr. Boulon los…

…und wie immer in Begleitung.

Nach über einer Stunde Fahrt kommen wir an. Paul Island ähnelt aus der Luft einem Rochen. Es liegt in der Nähe des östlichen Korallenriffs.

Im flachen Wasser rund um die Insel kann man viele kleine Haie sehen.

08:21 – Unsere Drohnen-Kommandozentrale am Strand. Von hier haben wir zu Fuß kleine Ausflüge unternommen um die Vögel aus der Nähe zu fotografieren.

Die Vögel sind hier überall: in der Luft, auf den Gebüschen und auch auf dem Boden.

Man muss sehr aufpassen um nicht die auf dem Boden liegende Eier zu zertrampeln. 

Man sieht frisch geschlüpfte Vögelchen…

… und welche die schon größer sind aber immer noch nicht fliegen können.

Manchmal liegen die Eier auf dem Boden, manchmal im Nest…

…manchmal sind sie unbewacht…

… manchmal ist ein Elternteil da, bereit den Eindringling zu verscheuchen.

Am Himmel sind Schwärme weißer Sterne zu sehen, die meist sehr neugierig sind…

Einer von ihnen flog so nah vorbei, dass er fast den Objektiv meiner Kamera gestreift hätte.

Ebenso zahlreich sind die Noddys, die aggressiv gegenüber unerwünschten Gästen sein können.

Die Jungtiere, die noch nicht fliegen können, rennen auf kurzen Beinen, um sich irgendwo zu verstecken.

Die erwachsenen Vögel sind weniger scheu und versuchen, den Eindringling durch Geräusche zu vertreiben, die an das Fauchen einer verärgerten Katze erinnern.

Die Noddys und Sterne, die auf Büschen sitzen (meistens ist es der Küsten-Naupaka), stellen sich immer gegen den Wind.

Vielleicht erleichtert es ihnen das Abheben?

Auf Paul Island leben auch viel größere Vögel, wie zum Beispiel Fregattvögel. Ganze Schwadronen schweben scheinbar mühelos durch den Himmel und schlagen nur selten mit den Flügeln.

Einige von ihnen transportieren Baumaterial.

Und am Boden wartet ein hungriger Nachwuchs.

„Oh, ich glaube, Papa kommt zum Nest zurück!“

Der wie ein Angelhaken gebogene Schnabel der Fregatte ist eine äußerst wirksame Waffe.

Zu den großen Vögeln auf Paul Island zählen auch zahlreiche Boobys (Rotfußtölpel).

Sie bauen ihre Nester oft in unmittelbarer Nähe von Fregattvögeln…

…mit denen sie plaudern können.

Booby auf dem höchsten Ast sitzend beobachtet gerne, was um ihn herum passiert.

Nachbarinnen.

Und hier auf dieser wunderschönen, einsamen Insel, die nur von Tieren bewohnt wird, ist MÜLL wie eine Seuche präsent, die aus der Ferne kommt und durch Wind und Meeresströmungen in Gang gesetzt wird. Heute kann sich kein Gebiet auf unserem Planeten wirksam vor dieser Plage schützen.

12:59 Uhr – Wir haben Paul Island verlassen und erreichen nach einer halbstündigen Fahrt Avocaire Island.

Die Insel selbst, deren Form mich an den horizontalen Querschnitt des „Flat Iron Building“ in New York erinnert, ist klein, bietet aber eine üppige Vegetation.

Als wir das Ufer erreichen, werden wir von einer großen Kolonie von Noodys begrüßt, die bei dem Anblick unbekannter Fremder keine Panik verspüren, sondern uns nur interessiert beobachten.

Auf der Avocaire-Insel befinden sich die Überreste eines Gebäudes, das zur Fischereibasis der Raphael-Insel gehörte und einst eine kleine Werkstatt für kleinere Bootsreparaturen beherbergte. Ursprünglich war das Gebäude etwa 100 Meter vom Wasser entfernt. Heute liegen seine Ruinen im Wasser. Die Naturgewalten sind schwer zu besiegen.

Im Schatten dieser Ruinen haben wir unsere Drohnen-„Kommandozentrale“ installiert.

Ich beschloss, nachzusehen, was sich in den dichten Büschen verbarg, die die Insel bedeckten. Fast überall waren Noodys zu sehen. Es gab auch ein paar weiße Terns. Solange der Abstand zwischen mir und den Vögeln nicht weniger als etwa einen Meter war, zeigten sie keine Angst.

Als ich etwas tiefer ging, machte ich eine Entdeckung: Zuerst sah ich ein Nest, in dem das weibliche Noody ein Ei bewachte.

Ich ging an ihr vorbei und ging etwa zwei Meter tiefer, und das ist, was ich sah. Dies ist die sogenannte „Grotte“, d. h. eine kleine Kapelle, die von den Gläubigen „in der Wildnis“ ohne Beteiligung der Kirche errichtet wurde. Es gibt viele solcher „Grotten“ auf Mauritius: auf den Felsen an der Küste, auf Feldern und sogar in Städten (dies ist ein Thema für ein separates Fotoprojekt). In dieser „Grotte“ befindet sich eine Büste von Pater Laval. Jacques-Désiré Laval kam 1841 nach Mauritius und widmete seine Missionstätigkeit der kreolischen Bevölkerung und den Sklaven, die erst drei Jahre zuvor dank der Abschaffung der Sklaverei in England ihre Freiheit wiedererlangt hatten. Von der Insel Avocaire kehrten wir zur Insel Raphael zurück.

Tag 6

14.04.2024 06:28 – Der sechste Tag. Ich bin etwas früher aufgestanden, um im Licht der aufgehenden Sonne Fotos zu machen. Im Vordergrund liegt Raphael Island, weiter nördlich liegt Poulaiier (Hühnerstall) Island und noch weiter eine der größten Inseln des Archipels, Puits à Eau (Wasserbrunnen) Island. Dies ist das nördliche Ende des Atolls. Der Archipel hat noch zwei weitere Inseln nördlich außerhalb des Atolls: North Island und Albatros Island.

Hier gibt es zwei Inseln in südlicher Richtung, nur einen Steinwurf von Raphael Island entfernt: das winzige Petit Raphael und die viel größere Swati Island.

Unser heutiges Ziel ist eine der Tectec-Inseln. Wir fahren wie immer um 7 Uhr los. Wir fahren über anderthalb Stunden dorthin.

Der Name kommt von den kleinen Tectec-Muscheln, die das wichtigste „Baumaterial“ dieser Inseln sind. Die Insel, auf die wir zusteuern, scheint völlig verloren zu sein.

Unser „Drohnen-Kommandozentrum“ stößt bei Vögeln auf enormes Interesse.

Tectec-Inseln werden durch Meeresströmungen und Wind geformt.

Die Vegetation dort ist sehr bescheiden.

Die Vögel scheinen Urlauber am Strand zu sein.

Diese riesigen Muschelbetten könnten unendlich weit von der menschlichen Zivilisation entfernt erscheinen, wenn es nicht …

…den MÜLL gäbe  😣

Ich fragte mich, welche riesigen Mengen dieses Mists wohl im Meer schwimmen müssen, wenn so viel Müll an einem so abgelegenen und kleinen Ort wie Saint Brandon landet. Ich ließ meiner Frustration freien Lauf, indem ich am Strand mit den Flip-Flops, Zahnbürsten und anderem Objekten, den ich fand, obszöne Worte anordnete.

😳😡

Dasselbe tat ich auf Coral Island, wo wir auf dem Rückweg nach Raphael Island einen kurzen Zwischenstopp einlegten.

😳🥺🥺😡😡😡

17:40 – Zurück auf Raphael Island. Die Fischereibasis hier ist klein. Die Fischer bleiben auf der Insel von einigen Wochen bis zu drei Monaten. Da es weder Internet noch ein Telefonnetz gibt (außer einem Satellitentelefon), verbringen die Leute ihre Freizeit auf zwei Arten: mit Spielen und…

… satellite TV…

… im örtlichen Kino  😉

19:45 Uhr – Die “Straßen” des Ortes sind sauber und mit Tonnen voller Blumen gesäumt.

Die St. Louis-Kapelle ist beleuchtet.

Und überall sitzen Vögel…

Tag 7

15.07.2025 – Der siebte Tag unserer Reise. Das heutige Ziel sind die Inseln im südlichen Teil des Archipels. Wir starten um 6:55 Uhr und erreichen die Insel Dagorne um 9:20 Uhr.

Zweieinhalb Stunden auf einer Holzbank in einer Nussschale zu fahren und dabei ständig auf den Wellen herumzuspringen, ist eine harte Übung für Körper und Geist 😅

.

10:00 – Die Belohnung für diese Mühen ist der Blick auf die Dagorne Island. Es handelt sich um eine Sandbank aus feinem Sand, der aus zermahlenen Korallen und Muscheln besteht, bedeckt mit spärlicher Vegetation. Dieses Foto zeigt den Blick in Richtung des südlichen Endes des Archipels. Unser Boot ist auf der linken Seite der Dagorne-Insel zu sehen.

Die Insel wird von den Fischern von South Island als „Parkplatz“ für ihre Boote genutzt. In der Mitte dieses Fotos kann man unser Drohnen-„Kommandozentrum“ sehen.

Wenn das Boot auf der linken Seite euch bekannt vorkommt, dann seid ihr aufmerksame Leser meines Reisetagebuchs  👍😀. Dasselbe Boot ist auf meinem Foto vom zweiten Tag unserer Expedition zu sehen. Darin waren zwei Fischer von South Island, für die wir einen Bootsmotor aus Mauritius mitgebracht haben.

Diese Insel ist ebenfalls voller Plastikmüll. Nachdem ich etwas wie einen Korb gefunden hatte, begann ich, den Müll um unser „Kommandozentrum“ herum zu sammeln.

Das ist das Ergebnis von etwa 15 Minuten Sammeln im Umkreis von ungefähr 15 Metern!

Die Dagorne Island (unten) grenzt an die Coco Island (oben). Sie sind nur durch eine kleine Meerenge getrennt.

Die Coco Island ist eine der größeren Inseln des Archipels. Sie ist fast 4 Kilometer lang. Früher gab es dort viele Kokospalmen, aber ein Zyklon, der das Archipel vor 40 Jahren verwüstete, zerstörte fast alle. Es gibt Pläne, die Insel mit Palmen wieder aufzuforsten, aber das Hindernis sind die wilden Kaninchen, die das Überleben der jungen Palmen verhindern.

Die Überfahrt zur Coco Island dauerte länger als erwartet. Der Grund dafür ist die seichte Lagune, durch die wir mit minimaler Geschwindigkeit und einem Motor fahren mussten.

Auf der Coco Island versteckten wir uns in den dichten Gebüschen direkt am Strand.

Ich konzentrierte mich darauf, Vögel zu fotografieren, die im Meer jagen.

Coco Island gesehen in Richtung des südlichen Endes des Archipels.

Auf dem Heimweg, wie gewohnt mit Eskorte.

Tag 8

16.04.2024 – Achter Tag der Expedition. Das Ziel ist die South Island. Es wird unsere längste Reise sein und über drei Stunden dauern unter Bedingungen, die denen des Vortages ähneln: viele Wellen und viel Geschaukel im Boot.

06:33 – Vor dem Auslaufen räumen wir unsere Unterkunft auf der Raphael-Insel aus, da wir die nächste Nacht auf der South Island schlafen werden. Im Gegenzug werden wir nach unserer Rückkehr von der South Island die Nacht auf der Fregate verbringen, die uns zurück nach Port Louis bringen wird.

08:01 – Die erste Stunde der Reise vergeht ohne wesentliche Veränderungen in der Landschaft: Ozean, Himmel und unser Boot.

08:55 – Wir fahren an der Coco Island vorbei.

Weiter südlich gibt es immer mehr Sandbänke, die kaum aus dem Wasser ragen, aber voller geflügelter Besucher sind.

10:15 – Wir haben schließlich unser Ziel erreicht: die South Island.

Das Boot ist im Wasser vor Anker.

Vom Strand führt ein schmaler Weg zum Bungalow, in dem wir die Nacht verbringen werden.

Die Begrüßung, die am Wegweiser auf der linken Seite sichtbar ist, spiegelt den Charakter dieses Ortes genau wider.

Beim Erreichen des Bungalows stellt sich heraus, dass es auch auf der anderen Seite einen Strand gibt.

Während ich mich mit der Umgebung vertrautmache, begleitet mich ein White Tern, als ob er meine Absichten erraten möchte.

13:15 – Am Nachmittag beschloss ich, ins Wasser zu gehen, um einige Fotos zu machen. Aufgrund der großen Anzahl von Haien wagte ich es nicht, dies im nördlichen Teil des Archipels zu tun. Herr Boulon versicherte mir, dass es im östlichen Teil der Lagune in der Nähe der South Island nichts zu befürchten gibt.

Unter Wasser war ich atemlos: In einer Entfernung von 10-15 Metern vom Ufer und in einer Tiefe von 3 Metern hatte ich Ausblicke, die denen in Mauritius auf einer Tiefe von 12 Metern, ein Kilometer vom Ufer entfernt, ähnelten.

Die schönen Benitiers schließen schnell ihre Muscheln, sobald sie meinen Schatten bemerken…

… also versuche ich, mich ihnen zu nähern, indem ich in Richtung Sonne schwimme.

Nach den Unterwasserfotos ist es Zeit für Luftaufnahmen. Im unserem Bungalow werden wir heute Nacht vom Geräusch der Wellen auf beiden Seiten des Gebäudes in den Schlaf gewiegt.

Blick nach Südosten: Im Vordergrund ist die South Island mit unserem Bungalow zu sehen. Im Hintergrund ist das östliche Korallenriff, wo zwei große Fischereifahrzeuge festgefahren sind. Auf diesem Foto sieht man die „Khan Yang“ aus Malaysia, die im Februar 2015 auf dem Riff auf Grund lief.

Perspektivwechsel nach Nordosten: Im Vordergrund ist die South Island, etwas höher liegt die Grand Capitaine Island. Im Hintergrund das östliche Korallenriff mit dem Wrack der „Yu Feng 67“ aus Taiwan, die im Dezember 2022 auf dem Riff auf Grund lief.

Ihre Crew wurde von Fischern gerettet, die mit Fischerbooten von der Raphael Island am Unfallort eintrafen. Glücklicherweise kam es zu keinem Ölaustritt.

17:55 – Direkt nach Sonnenuntergang. Plötzlich wird alles ruhig. Die Vögel werden still und bereiten sich auf die Nacht vor.

Pierre plant Fotos für den nächsten Tag.

Unerwarteter Besuch von einem Einheimischen der South Island: er erkundet gemächlich einen Raum nach dem anderen und kehrt nach etwa 20 Minuten dorthin zurück, wo er hergekommen ist  🤓

19:51 – Eine wunderschöne Mondnacht. Draußen gibt es praktisch kein künstliches Licht. Ideale Bedingungen für ein paar Nachtaufnahmen.

20:14 – Das Mondlicht ist so stark, dass es den Strand wie die Sonne erhellt.

20:30 – Auch nachts blicken alle Vögel in die gleiche Richtung  😅

Tag 9

17.04.2024 6:47 – Ein neuer Tag auf der South Island. Jemand möchte noch ein wenig länger schlafen, aber jemand anderes lässt das nicht zu 
😉

Beim Frühstück besucht uns jemand. Könnte es das gleiche Paar sein, das ich früh am Morgen gesehen habe?

Nach dem Frühstück schicke ich die Drohne in Richtung des malaysischen Wracks, der „Khan Yang“.

Es befindet sich in einem fortgeschrittenen Verfallzustand.

Vor einigen Jahren hat ein starker Zyklon das Wrack über das Riff „geworfen“, sodass es sich jetzt in der Lagune befindet.

Noch ein weiteres Bild aus der Nähe.

Gegen 11 Uhr beginnen wir mit den Vorbereitungen für die Rückkehr zur Raphael-Insel. In der Zwischenzeit hat sich das Wetter erheblich verschlechtert, mit starken Winden und schwerem Regen auf dem Weg.

Wir beeilen uns, unser Equipment zu laden.

Als wir vom Ufer ablegen, beginnt es zu schütten.

Nach 10 Minuten müssen wir zur South Island zurückkehren, da Herr Boulon im starken Regen unerwartete Hindernisse nicht erkennen kann und wir riskieren, auf dem Riff festzusitzen.

Wir warten den Regen in einem von Fischern genutzten Bungalow ab.

Nach einer halben Stunde hört der Regen auf und wir setzen die Fahrt fort. Die dreieinhalbstündige Reise zur Raphael-Insel scheint endlos. Diesmal werden wir ständig von dem Sprühwasser der Wellen, die gegen unser Boot schlagen, durchnässt.

Als wir ankommen, sind wir bis auf die Knochen durchnässt.

Dieses Mal halten wir nicht auf der Insel, sondern fahren direkt zur Fregate, die in tieferem Wasser vor Anker liegt. Unser Gepäck ist bereits an Bord; wir müssen nur noch unser Fotografie-Equipment umladen.

Auf der Fregate, die auf Hochglanz geputzt ist, wartet die Crew auf uns mit dem Abendessen …

… das in der der Kambuze zubereitet worden ist.

Es wird ein wunderbares „Curry Poisson“ aus frisch gefangenen „Capitaines“ sein.

Wir verbringen die Nacht auf der Fregate, die erst morgen früh wieder nach Mauritius fahren wird.

Nach Sonnenuntergang legt unser „Zwilling“ Albatros, der gerade aus Port Louis angekommen ist, neben uns an.

Tag 10

18.04.2024 5:53 – Nach einer ruhigen Nacht auf der Fregate genießen wir den Moment vor Sonnenaufgang.

Die Crew des Albatros schläft noch.

Die Reise beginnt gut; der Ozean ist ruhig, und die Wellen sind klein.

Nach zwei Stunden ändert sich das Wetter dramatisch: Ein starker Wind weht aus Osten, und das Schiff kämpft gegen hohe Wellen. Das Überqueren des Decks erfordert akrobatische Fähigkeiten.

Manchmal sind die Wellen so hoch, dass das Wasser die Fenster auf der Brücke komplett bedeckt.

Auf dem Deck befinden sich die meisten Passagiere in horizontaler Position.

Die Crew versucht ihr Glück, indem sie einen Köder hinter dem Schiff herzieht. Plötzlich wird etwas Großes gefangen. Jetzt muss man den Fang aus dem Wasser holen, ohne die Leine zu reißen.

Es hat geklappt – es ist ein 7 Kilogramm schwerer Thunfisch.

Eine Stunde später wurde ein weiterer gefangen.

Tag 11

19.04.2024 06:28 – Nach einer unruhigen Nacht beginnt der nächste und letzte Tag unserer Expedition.

Dreieinhalb Stunden später wird das Gepäck an Deck gezogen, während wir uns Port Louis nähern.

Eine vertraute Küstenlinie erscheint am Horizont.

Der Autopilot ist jetzt aus, und der Kapitän ist konzentriert, da im Hafen viel Verkehr herrscht.

Port Louis empfängt uns bei schönem Wetter. Vor uns liegt die Caudan Waterfront, ein ehemaliger Hafen, der Lagerhäuser, Schiffswerkstätten und Handelsunternehmen beherbergte. Er wurde in den 1980er und 1990er Jahren nach den Plänen des mauritischen Architekten Maurice Giraud vollständig umgebaut. Heute befinden sich dort Hotels, Büros, Restaurants, Banken sowie ein Theater und ein Konzertsaal.

11:09 – Die Fregate hat genau an dem Ort angelegt, an dem wir vor 11 Tagen abgelegt haben. Das gesamte Kamera-Equipment ist bereits in meinem Auto verstaut. Unsere Expedition ist beendet, aber die Arbeit damit noch nicht. Pierre arbeitet weiterhin an seinem Album, und ich an meiner Website, auf der ich neben dem Projekt „Saint Brandon“ auch viele andere Projekte beschreiben möchte, bei denen ich als Fotograf aktiv war und sein werde.

Hinter den Kulissen